2008

Traumgeschenk für Leipziger Diabeteskids (12/2008)
Für den Leipziger Verein zur Förderung diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. war in diesem Jahr schon am 1. Advent Weihnachten. Jedenfalls geriet die Weihnachts-Benefizaktion an jenem 30. November im stilvollen Ambiente des Leipziger Gewandhauses für die Kids und ihre Eltern zur wahrlich traumhaften Bescherung. Als einer von fünf begünstigten Vereinen der von der Verbundnetz Gas AG, der Leipziger Volkszeitung und des Gewandhauses Leipzig selbst organisierten Benefiz-Gala erhielt die Vereinsvorsitzende Sylvia Schulz aus den Händen von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung einen Scheck mit der Riesensumme von 15.000 Euro überreicht. Unter den mehr als 20 Vereinsmitgliedern, die als Ehrengäste in den vordersten Reihen saßen, brach spontaner Jubel aus.

„Ein Wahnsinn, mit so einer Summe hatte ich nicht annähernd gerechnet“, kommentierte Sylvia Schulz sichtlich gerührt. „Ich hatte gehofft, dass wir uns einen neuen Beamer kaufen können, und dann vielleicht noch etwas Geld übrig bleibt. Aber so eine Summe macht regelrecht sprachlos.“

Gerade in den letzten Jahren hatte der Kontostand bei den Diabeteskids merklich abgenommen. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit auch unter den Vereinsmitgliedern und der allgemein schweren wirtschaftlichen Lage gerade in den neuen Bundesländern waren nicht mehr so viele Spendengelder eingegangen. Der Vereinsvorstand hatte sich aber unentwegt um Förderung für seine Projekte bemüht und wurde nun ausgerechnet am 1. Advent für die Ausdauer belohnt.

Größter Posten in den Jahresausgaben bei den Diabeteskids ist in jedem Jahr die einwöchige Ferienfreizeit, die jeweils trotz Beiträgen der beteiligten Eltern einen hohen vierstelligen Betrag an Kosten für Fahrt, Unterkunft und Verpflegung verursacht. In den letzten beiden Jahren waren die Kids jeweils in der ersten Woche der Sommerferien nach Hormersdorf im Erzgebirge sowie nach Seifhennersdorf im Dreiländereck zwischen Deutschland, Tschechien und Polen vereist. Für einige Kinder sicher der einzige große Urlaub im Jahr, für alle aber ein gemeinschaftliches Erlebnis, dass Freundschaften hervorbringt und schöne Erinnerungen hinterlässt. Dank der Rekordspende werden wohl für die kommende Ferienfreizeit in Schneeberg bei Aue die Elternbeiträge nicht wie zunächst befürchtet angehoben werden müssen. Zudem können auch weitere Vereinsaktivitäten wie Frühlingsfest oder Weihnachtsfeier unterstützt werden.

Trotz der Spende aber bleibt es Hauptaufgabe für den Vorstand des 1990 gegründeten Vereines, die finanzielle Basis der ausschließlich aus Beiträgen und Spenden finanzierten Gruppe von derzeit etwa 70 Familien langfristig zu sichern. Für zahlreiche diabetische Kinder in und um Leipzig waren die Kids in den letzten fast zwei Jahrzehnten gerade in schwieriger Zeit eine enorm hilfreiche Anlaufstelle. Das soll sich auch in der Zukunft nicht ändern.

Autor: Peter Stracke


Matthias Steiner gewinnt Goldmedaille

Der stärkste Mann der Welt ist Typ-I-Diabetiker. Mit einem unwahrscheinlich Kraftakt hat Gewichtheber Matthias Steiner in Peking die Goldmedaille im Superschwergewicht gewonnen und dabei so große Lasten bewältigt, wie kein zweiter Mensch auf der Welt. Der 145-kg-Hüne, der in Leimen trainiert und für den Chemnitzer AC in der Bundesliga startet, schaffte im sogenannten Olympischen Zweikampf 461 kg und war auch im Stoßen mit 258 kg der Stärkste.
Matthias, der seit 2000 Diabetiker ist, hatte vor den Olympischen Spielen unseren Diabeteskids eine Grußkarte übersandt.
Aus der Ferienfreizeit in Seifhennersdorf haben die Daibeteskids dem Gewichtheber auf einer von allen unterschriebenen Karte alles Gute für die Olympischen Spiele gewünscht. Dafür bedankte sich Matthias in Peking. Die Diabetes-Kids gratulieren ihm ganz herzlich zur Goldmedaille.
Vor seinem Olympiasieg in China hatte Matthias Steiner versprochen, unserer Gruppe einen Besuch abzustatten, wenn sie die Gelegenheit ergibt. Dazu steht unser neuer Olympiaheld noch immer.
In der Olympiastadt erzählte er den Journalisten, dass er täglich zweimal Basal-Insulin spritzt und meistens noch fünfmal Kurzzeit-Insulin, weil er als Superschwergewichtler mindestens fünf Mahlzeiten am Tag einnimmt. Für einen Diabetiker ist es nicht einfach, so einen Leistungssport wie Gewichtheben zu betreiben. Aber es ist trotzdem viel besser, als keinen Sport zu betreiben, sagte er. Gerade wenn er sportlich sehr aktiv ist, hat Matthias seine Diabetes-Werte am besten im Griff.

Ferienfreizeit Sommer 2008

Projektwoche von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus

Die informativen und erlebnisreichen Ferientage im Querxenland Seifhennersdorf sind zu Ende gegangen. Alle Kinder sind wieder mit viel neuem und aufgefrischtem Wissen rund um ihren Diabetes in die übrigen Sommerferientage 2008 entlassen worden.
Wichtig war dabei die Erfahrung und der Umgang mit dem eigenen Diabetes, dem eigenen Körper, wie reagiert mein Diabetes auf intensiven und ausdauernden Sport wie z. B. Tennis, Fußball oder Schwimmen. Bei allen Gemeinsamkeiten und allgemein gültigen Regeln im Zusammenspiel zwischen der jeweiligen Insulindosis, Nahrungsart und -menge und Bewegung gibt es doch so viele individuelle Erfahrungen und Entwicklungen, die jeder sehr intensiv und ausführlich erleben, testen und mit dem erfahrenen Diabetologen diskutieren konnte. Ziel aller Aktivitäten in dieser Projektwoche ist der mutige, selbstbewusste und sichere Umgang jedes Kindes mit seinem Diabetes in den normalen Alltagssituationen, in der Schule, in der Sportgruppe, auf der Klassenfahrt.

Die Kinder und auch die Eltern werden bestärkt, sich nicht mit der Diagnose Diabetes aus dem Leben auszuschließen, sondern offensiv und selbstverständlich alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Schulungsinhalte

Gefahr Ketoazidose: An Hand von verschiedenen, altersabhängigen Alltagssituationen wurde der richtige Handlungsablauf zur Feststellung und zur Therapie durch die Kinder und Jugendlichen herausgearbeitet und diskutiert.

Individuelle Insulindosis: Jedes Kind hatte an jedem Tag vier feste Termine beim Diabetologen, um seine individuelle Insulintherapie zu besprechen. Dazu wurden die wesentlichen Einflussfaktoren analysiert (Mahlzeiten, Bewegungsprogramm).

Für das Diabetes-Team bedeutete das in diesen 6 Tagen 640 Einzelgespräche (Visiten).

 

Einschätzung der KE:

An Hand von Schulungsmaterialien wurde der KEGehalt von typischen und bei Kindern beliebten Speisen geschätzt.

Diese ESchätzung spielt eine entscheidende Rolle für die Bestimmung der erforderlichen Insolindosis.

Bei jeder Mahlzeit wurde einzeln und gemeinsam in der Gruppe der KE-Gehalt der Portionen bestimmt und die jeweilige Insulinmenge kontrolliert.

 

Freizeitaktivitäten

Vor allem sportliche Aktivitäten stehen im Vordergrund in unseren Projektwochen: BMX – Strecke, Fußball, Tennis, Tischtennis, Handball, Basketball, Schwimmen, Wandern, Fitness-Test.

Sport und Spiel sind wichtig.

 

BMX – Strecke

Jeder kann aus dieser reichhaltigen Palette seinen Lieblinssport auswählen aber auch mal etwas vollkommen neues ausprobieren.

Wichtig ist die Freude an der Bewegung und die Erfahrung, wie Bewegung den Insulinbedarf verändert.

Sehr beliebt ist in jedem Jahr eine spannende Nachtwanderung.

Für die „Großen“ ist die Vorbereitung sehr aufregend, welche Wegstrecke ist geeignet, wie können wir erschrecken, mit Spinnnetzen, Lichtern und natürlich Wasserbomben.

Die „Kleinen“ und natürlich die Betreuer sind sehr gespannt, was passieren wird, wer hat die Wasserbombe am Kopf, wer wird in den dunklen Wald entführt?

Vier Stunden intensivste Vorbereitung führten zu einer Stunde abwechslungsreicher Nachtwanderung.

Im Ergebnis erlebten wieder alle eine informative und abwechslungsreiche Schulungswoche. Herzlichen Dank dem Diabetes-Team der Unikinderklinik Leipzig, den engagierten Eltern und dem KIEZ Querxenland Seihennersdorf für Ihre tolle Unterstützung.

Sylvia Schulz

Auch als Download: FFZ2008.pdf
Bericht von Hr. Stracke:

Seifhennersdorfer Querxenland war eine Ferienreise wert

Nachdem wir im letzten Jahr mal wieder in unserem Stamm-Ferienquartier Hormersdorf nach dem Rechten geschaut hatten, fiel diesmal für die traditionelle Ferienfreizeit auch zum wiederholten Mal die Wahl auf das Querxenland in Seifhennersdorf, wohin der Reisebus der Leipziger Diabeteskids in der ersten Woche der großen Sommerferien aufbrach.

Stellten die schmalen Straßen mit den zahlreichen Kurven in der Oberlausitz noch eine Herausforderung für den Busfahrer dar, so sammelte Seifhennersdorf bei den Kids schnell entscheidende Pluspunkte. Als klarer Vorteil 1 erwies sich das nahezu perfekte Quartier im neuen Haus 3, bestand es doch nur aus modern eingerichteten Vierbett-Zimmern. In den acht Zimmern war exakt für alle Kinder und Jugendlichen Platz. Doc Kapellen, Schwester Kristin, Psychologe Peter und Teamchefin Sylvia fanden ebenso ein Bett, wie Chef-Animator Reinhard, der wahrscheinlich wegen Bestechung des Oberquerx die Königssuite bewohnen durfte. Die anderen Betreuer hingegen campierten außerhalb in einer Baracke, die den großen Seifhennersdorfer Brand im Jahr 1553 wahrscheinlich nur mit Mühe überstanden hatte. Aber das Septett war immer in Reichweite und stets zur Stelle, wenn es zu helfen galt.

Klarer Vorteil 2 waren die vielfältigen Möglichkeiten, die unsere Gruppe im Ferienlager selbst nutzen konnte. Vor allem die Größeren waren fast rund um die Uhr auf dem modernen Allwetter-Sportplatz zu finden, wo Reinhard beim Basketball und Tennis die Bälle fliegen ließ. Vor allem die großen Jungs kämpften leidenschaftlich und verbrauchten dabei diverse Not-BE wie Apfelsaft, Kekse usw.

Bei den Kleineren war auch der Spielplatz mitsamt seiner urigen Wippe als Treffpunkt sehr beliebt. Außerdem gab es eine Mountainbike-Strecke und (nur an einem Tag wegen des schlechten Wetters genutzt) auch Räumlichkeiten mit Billard sowie Computern.

Bei Sport und Spiel vergingen die Seifhennersdorfer Tage (und Abende) wie im Flug und selbst als das Wetter nicht gerade Brutzelfaktor 10 offerierte, war es nicht langweilig. Wir hatten eine Waldrallye im Programm, bewältigten komplett den Trimm-Dich-Pfad auf dem auch die großen Mädels anfänglichen Missmut schnell ablegten. Es gab einen Badenachmittag im unmittelbar angrenzenden Freibad, welches freilich mit Schmelzwasser aus Grönland befüllt war. Wir haben eine Wanderung in ein Westerncamp unternommen, was eigentlich leicht zu finden war. Wegen – sagen wir mal – Orientierungsproblemen der sportlichen Leitung haben wir uns trotzdem verlaufen, was bei den Betreuern mit den schweren Not-BE-Rucksäcken zur zügigen Marscherleichterung führte.

Die Abende boten ebenfalls ein reichhaltiges Programm mit Flirtdisko, Casino-Abend, Rutschparty in der „Grönland-Therme“, Talente-Show sowie Lagerfeuer mit echtem „Feuerwasser“ (rote Brause). Freilich war diese Animation der Seifhennersdorfer Lager-Querxe ausschließlich auf die kleineren Besucher zugeschnitten. Die waren insgesamt im Camp klar in der Überzahl, in unserer Gruppe aber nicht unbedingt. Zumindest ein kleines Kompliment an dieser Stelle an die stattliche Zahl der „betagten“ Kids in unserem Team, die sich nicht der disziplinlosen Langeweile ergaben, sondern ständig aktiv blieben und selbst dann noch in der Sandkiste Beachvolleyball spielten, als es längst stockfinster war und statt des Balls schon mal ein Kopf getroffen wurde.

Kritik war auf der anderen Seite an der Ordnung speziell im Zimmer der großen Jungs angebracht, wo innerhalb kürzester Zeit kein Quadratzentimeter Fußboden mehr zu sehen war. Immerhin wurde bis zum Zimmer-Rapport am letzten Abend innerhalb von 30 Minuten „Klar Schiff“ gemacht – weltrekordverdächtig. Außerdem waren die großen Jungs am letzten Abend nicht zu schlagen, als sie mit wunderschönen Grusel-Gags die wie immer völlig überraschende Nachtwanderung garnierten. Großer Dank dabei auch an Ralf, der als Betreuer mit den Jungs bei Regenwetter wirklich Schwerarbeit leistete. Wasserbombem-Opfer wie im Vorjahr blieben diesmal aus, weil die Gespenster wohltuend fair selbst mit jenen ewig kreischenden Kids umsprangen, die sich am Ende natürlich überhaupt nicht gefürchtet hatten. Nach einer lustigen, erlebnisreichen und auch ein wenig anstrengenden Woche versprachen sich alle Kids und Betreuer in die Hand: „Im nächsten Jahr treffen wir uns wieder“ – bei der Ferienfreizeit 2009 in ????

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