Mein Leben mit Diabetes

Im Rahmen einer Projektarbeit schrieb Lisa (von den Diabetes Kids Leipzig) in der Schule einen Artikel über ein Thema, welches sie sehr bewegt. Sie wurde für diesen Artikel von der Mitteldeutschen Zeitung ausgezeichnet. (Siehe Bild)

„Ich bin vierzehn Jahre alt und hab schon fast mein ganzes Leben Diabetes

Ich habe mit vier Jahren Diabetes Typ I bekommen. Es waren die typischen Anzeichen wie viel Trinken, oft auf Toilette müssen oder auch erbrechen. Meine Eltern und ich sind früh am Morgen zum Arzt gegangen und der hat gesagt, wir sollen sofort ins Krankenhaus. Dort kam die Diagnose, dass es Diabetes ist.

Diabetes Typ I ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, dass man diese Krankheit sein ganzes Leben hat. Es gibt zwei Möglichkeiten sie zu therapieren. Entweder man spritzt sich zu jeder Mahlzeit oder man gibt sich mit einer Insulinpumpe immer zu jeder Mahlzeit durch einen Katheter mit einer Nadel Insulin ab. Ich war damals zehn Tage im Krankenhaus und hab gespritzt. Als ich wieder nach Hause konnte, war ich erstmal ein paar Wochen Zuhause.

Ich bin ja noch in den Kindergarten gegangen und dort sind alle super damit umgegangen. Natürlich war diese Anfangszeit für meine Eltern und mich nicht leicht, ich war ja noch recht klein, also war ich von meinen Eltern abhängig. Frühs bevor ich in den Kindergarten ging, haben meine Eltern mir eine Spritze gegeben, die für Frühstück und Mittag wirkte. Abends haben wir normal gespritzt.

Nach einem Jahr mit dem Spritzen, haben meine Eltern und ich uns dazu entschieden, auf Pumpe zu wechseln. Das heißt fünf Tage Krankenhaus zur Einstellung. Insulinpumpe heißt, dass man einen Katheter mit Nadel in Bauch, Bein oder Po sticht und dadurch das Insulin bekommt. Der Katheter ist dabei mit der Insulinpumpe durch ein Schlauch verbunden. Den Katheter muss man allerdings aller zwei bis drei Tage wechseln. Ich war damals erst fünf Jahre alt und ich konnte den nicht selber wechseln, also haben das meine Eltern gemacht. Zum Mittag kam eine Krankenschwester und hat mir gesagt, wieviel Insulin ich mir zum Mittag geben soll. Meine Eltern und ich waren mit der Insulinpumpe zufrieden, weil wir den Katheter besser fanden als zu jedem Essen spritzen zu müssen. Dies ist aber jedem Diabetiker selbst überlassen, wofür er sich entscheidet. Als ich in die Grundschule kam, ging auch alles gut. Alle kamen auch gut mit der Krankheit klar und unterstützten mich. Die Krankenschwester kam bis zur vierten Klasse. Ab der ersten Klasse bin ich mit einem Verein in ein Ferienlager gefahren. Es ist ein Verein zur Förderung diabetischer Kinder und Jugendliche. Er heißt diabetes-kids leipzig. Meine Mutter ist auf den Verein gestoßen, da lag ich noch im Krankenhaus, als ich Diabetes bekommen habe. Der Verein veranstaltet jedes Jahr: Frühlings-und Sommerfeste, eine Weihnachtsfeier und – wie schon erwähnt – ein einwöchiges Ferienlager.

Als ich das erste Mal mitgefahren bin, bin ich alleine ohne meine Eltern gefahren. Dort hab ich viele andere Kinder und Jugendliche mit Diabetes kennen gelernt. Die Betreuer arbeiten mit Ärzten und Krankenschwestern der Uni Leipzig zusammen. Als ich das zweite Mal mitgefahren bin, ist mein Vater als Betreuer mitgefahren. Er fährt heute noch mit und ist auch im Vorstand. Der Verein finanziert sich mit Spenden und den Gebühren der Mitgliedschaft. Ich fahre auch noch mit und will es auch noch in Zukunft machen. Wenn ich älter bin, will ich auch als Betreuerin mitfahren. Seit drei Jahren veranstaltet das Krankenhaus zusammen mit dem Verein ein Jugendwochenende. Dort fahren Jugendliche ab vierzehn Jahren mit. Es wird über Drogen, Sex und Alkohol in Zusammenhang mit Diabetes geredet. Sport ist auch ebenfalls angesagt. Bei den Veranstaltungen des Vereins habe ich viele Freunde gefunden mit denen ich mich in meiner Freizeit auch heute noch treffe. Als ich aufs Gymnasium gekommen bin, habe ich gelernt, alleine Katheter zu wechseln. Ich hatte früher immer Angst davor und konnte mich nicht überwinden, doch irgendwann hab ich es geschafft. In der siebten Klasse ging beim Katheterwechseln öfters mal was schief. Viele Katheter sind abgeknickt gewesen und so haben wir es mit einem Stahlkatheter probiert, der nicht abknicken kann. Doch der hat auch bloß Probleme gemacht. Er saß öfters nicht richtig und tat manchmal weh. Diese Zeit war nicht schön für uns. Dann hab ich eine Freundin aus dem Verein gefragt, wie es bei ihr läuft, weil sie noch einen anderen Katheter benutzt. Sie hat gesagt, sie komme mit denen super klar. Da wollte ich die auch mal ausprobieren. Sie sind gut, taten aber öfters mal weh. Meine Eltern haben dann eine Creme besorgt, die die Haut betäubt. Ich benutze die Katheter plus die Creme jetzt seit einem Jahr und komme super damit klar. Seit dem ich mit dem Diabetes so gut klar komme, fahre ich in den Ferien alleine nur mit einer Freundin zu meinen Großeltern an die Ostsee. Vorher war daran nicht zu denken. Auch auf Klassenfahrt war ich bis jetzt noch nicht alleine und heute freue ich mich schon auf die nächste Klassenfahrt, weil ich da zum ersten Mal ohne Eltern fahren kann. Meine Freunde und meine Eltern unterstützen mich stets, ob in guten oder schlechten Zeiten und auch die Ärzte, Krankenschwestern der Universität Leipzig und viele mehr helfen mir immer, wenn etwas ist.

Lisa Haustein“

 

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